Dienstag, 30. Juni 2009

NightTrainToLisboa

Als der Zug knapp vor Porto
über die altersschwachen Weichen rumpelt,
standest Du vor mir,
nackt, bloß,heiß, aller Liebe süchtig und wert.
Sagte ich Dir nicht,
komm zu mir, bette Dich an mein Herz und es schlug so wild,
so nahe dem Deinen?
Die Signale knapp vor Porto stehn in den meisten Fällen auf Gelb;
dies rät dem Führer der Lokomotive,
die Weiterreise auf eigene Faust zu unternehmen, also auf eigenes
Risiko. Wir stehen im engen Durchgang
zum Restaurantwaggon,
es ist ein Rütteln, ein Rumpeln.
Der Kondukteur
zwängt sich angstvoll durch die Schar der dichtgepressten Leute, der
Kondukteur sieht aus wie ein pensionierter Kriegsgeneral der
portugiesischen Luftwaffen.
Im Restaurantwagen also
bietet man uns heißen Tee
mit braunen Zuckerwürfeln von Kandis;
du rauchtest eine schlanke,
nach Ingwer und Myrrhe duftende Cigarette
im zehnzoll langen Spitz, oh, wie mondän Du aussahst, Carmencita!
Wir kommen an in Porto
und es liegt ein gläsernes Licht über der Stadt,
es duftet: nach Blüten, nach Verdammnis.
Deine Hand stiehlt sich in die meine.
So gelangen wir in den Bauch der Stadt Porto.

Montag, 29. Juni 2009

a better day

now

regen, sonne, regen, sonne

Wenn wir jeden Vorfall, der starke
Emotionen in uns auslöst oder uns
in Probleme stürzt, nutzen, um uns
selber kennen zu lernen und unser
Herz zu öffnen, können Gefühle, die
der Vergangenheit angehören, Schicht
um Schicht aufgelöst werden und sie
beherrschen und belasten uns nicht
länger. Nach und nach erfahren wir
Emotionen nicht mehr als bleibende
Gegebenheiten, sondern als etwas,
das auftritt und wieder verschwindet,
wie Regen oder Sonnenschein.
(Safi Nidiaye, Das Tao des Herzens)

flying bird

ZUGVOGEL
Du bist in mein Leben geflogen,
wie ein Zugvogel,
der sich auf dem Weg in die Wärme
mit Absicht in der Richtung getäuscht hat.

Und ich,
ich werde fest daran glauben,
daß es mir gelingt,
dich vorm Erfrieren zu bewahren
(Jörn Pfennig)

Sonntag, 28. Juni 2009

sketchbook7

I don't like ...... Vol.2

Einige besitzen Witz, andere nur Witz,
wieder andere existieren noch nicht.
Die Caféhauswitze kann man unterteilen
in geistreiche Aussprüche über die
Abwesenden und unverschämte Äußerungen
über die Anwesenden. Diese Art von Geist-
reichTun nennt man für gewöhnlich Flegelei.
Nichts zeigt die Ärmlichkeit des Geistes deut-
licher an als die Tatsache, daß man nur auf
Kosten anderer Leute geistreich sein kann.
(Fernando Pessoa - Das Buch der Unruhe)